Warum kann der Ökolandbau die Kompostwirtschaft gut gebrauchen? Und: Warum kann die Kompostwirtschaft den Ökolandbau gut gebrauchen? Win-Win-Situation für alle Beteiligten?
Obwohl die separate Sammlung und anschließende Kompostierung von haushaltsstämmigem Bioabfall eine Erfindung des Ökolandbaus Anfang der 1980er Jahre an der Universität Kassel-Witzenhausen war (siehe Buch „40 Jahre Biotonne“) entwickelten sich beide Bereiche in den folgenden Jahrzehnten in unterschiedliche Richtungen.
Dies fand auch darin den Ausdruck, dass der Einsatz von Komposten aus Biogut und Grüngut durch die Verbände des Ökolandbaus zeitweilig komplett ausgeschlossen war. Erst seit ca. 10 Jahren nimmt dieser Einsatz, nach einer Öffnung der Verbände Bioland und Naturland durch die Formulierung von Qualitätskriterien, langsam zu.
Der Grundgendanke war da-mals wie heute denkbar einfach und einleuchtend: Der Öko-landbau exportiert mit den erzeugten Lebensmitteln Nährstoffe aus dem Betriebskreislauf heraus, die teilweise über die kompostierten Abfälle von Lebensmitteln wieder dem Betriebskreislauf zugeführt werden. Dies führt zu einem Kreislauf, nicht auf rein betrieblicher, sondern auf regionaler Ebene

Somit ergeben sich, gestützt auf Erfahrungen aus der Praxis und aus zahlreichen Feldversuchen, die Antworten auf die erste Frage – „Warum kann der Ökolandbau die Kompostwirtschaft gut gebrauchen?“ – wie folgt:
- Negative Nährstoffsalden im Ökolandbau können auf regionaler Ebene durch Ökokomposte (Gütegesicherte Biogut- und Grüngutkomposte, die den Kriterien von Bioland/Naturland und der EU-Ökoverordnung entsprechen) teilweise ausgeglichen werden
- Dies unterstützt ein weiteres nachhaltiges Wachstum des Ökolandbaus
- Dies trägt zur Sicherstellung einer hochwertigen regionalen Ernährung bei
- Der Humusaufbau kann durch regelmäßigen Einsatz von Ökokompost unterstützt werden, dadurch wird
- Kohlenstoff, z. T. langfristig, im Boden gespeichert und somit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet
- die Fähigkeit von Böden zur Wasserspeicherung einerseits und zur Infiltration andererseits verbessert und somit ein Beitrag zur Resilienz geegenüber Extremwetterereignissen (Dürre, Starkregen) geleistet.
Auch auf die zweite Frage: – „Warum kann die Kompostwirtschaft den Ökolandbau gut gebrauchen?“ – ergeben sich aus der Praxis der Komposterzeugung eine Reihe von Antworten:
- Durch die Vermarktung von Komposten in den Ökolandbau kann ein neuer Kundenkreis erschlossen werden, der häufig an einer langfristigen Bindung interessiert ist, da er nicht beeinflusst wird von Schwankungen auf dem Mineraldüngermarkt
- Mögliche Entstehung dauerhafter Regionalnetzwerke, die über kurzfristige Verkäufer-Käufer-Beziehungen hinausgehenn auf dem Mineraldüngermarkt
- Die im Vergleich zu den rein gesetzlichen Anforderungen der Bioabfallverordnung erhöhten Qulitätskriterien des Ökolandbaus für Komposte fördern bei den Kompostanlagen die Motivation zur stetigen Qualitätsverbesserung ihrer Erzugnisse
- Die Vermarktung von Kompost in den Ökolandbau trägt zum Imagegewinn der Kompostwirtschaft bei
Die Antworten auf die beiden genannten Fragen lassen den Schluss zu, dass es sich um eine klassische Win-Win-Situation handelt und somit der Vermarktung von Ökokomposten in den Ökolandbau nichts mehr im Wege stehen sollte.
Unterstützt wird dieser Schluss von der Tatsache, dass bundesweit gut zwei Drittel aller gütegesicherten Komposte (RAL-GZ 251 der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. (BGK)) den Kriterien von Bioland/Naturland und der EU-Ökoverordnung entsprechen und somit als Ökokomposte definiert werden (s. Abbildung unten). Dabei gibt es zwischen den einzelnen Bundesländern einige Unterschiede, wobei die baden-württembergischen Komposte überdurchschnittlich gute Eignungsgrade aufweisen.

Eignungsgrade von Komposten für den Einsatz im Ökolandbau (nach EU-Ökoverordnung und Kriterien von Bioland/Naturland) als prozent. Anteil aller gütegesicherten Komposte (RAL-GZ 251, BGK)
Aus der dieser Abbildung geht allerdings auch hervor, dass ein Drittel der gütegesicherten Komposte keine Ökokomposte nach obiger Definition sind. Diese weisen entweder Schwermetall- oder Fremdstoffgehalte auf, die zwar den gesetzlichen Bestimmungen (Bioabfallverordnung) und den Anforderungen des RAL-GZ 251 genügen, nicht aber den Kriterien des Ökolandbaus.
An dieser Stelle drängt sich nun eine dritte Frage auf: „Warum werden bundesweit weniger als 10 % der Ökokomposte tatsächlich im Ökolandbau eingesetzt?“ Die Antworten darauf kommen wiederum aus den Erfahrungen in der Praxis:
- Im Ökolandbau bestehen vielerorts Bedenken hinsichtlich der Kompostqualität (hier vor allem Gehalte an Fremdstoffen, im Besonderen an Plastik) sowie hinsichtlich hoher Kosten für den Kosteneinsatz
- Auch in der Kompostwirtschaft gibt es Bedenken hinsichtlich des Zusatzaufwands für die Erzeugung von Kompost für den Ökolandbau (z. B. chargenweise Analyse)
- Häufig beruhen die Bedenken auf veralteten Informationen, wie beispielsweise zur Kompostqualität, wenn nicht bekannt ist, dass sich die Flächensumme (Maß für den Gehalt an Folienkunststoffen) im Mittel aller gütegesicherten Komposte in den letzten 15 Jahren um ca. 65 % verringert hat.
- Häufig beruhen die Bedenken auf veralteten Informationen, wie beispielsweise zur Kompostqualität, wenn nicht bekannt ist, dass sich die Flächensumme (Maß für den Gehalt an Folienkunststoffen) im Mittel aller gütegesicherten Komposte zwischen 2015 und 2025 um ca. 68 % verringert hat.
- Vielfach fehlen auch Informationen, wie z. B. zum Wert der Komposte in Bezug auf ihre enthaltenen Makro- und Mikronährstoffe oder ihre kalkende Wirkung, um Kosten mit diesem Wert in ein realistisches Verhältnis zu setzen.
- Generell ist eine mangelnde Kommunikation und Vernetzung auf allen Ebenen zwischen Ökolandbau und Kompostwiertschaft festzustellen, also auf:
- Betriebsebene (Ökolandbaubetriebe und Kompostanlagen)
- Verbands-/ Beratungsebene (Ökoanbauverbände und regionale Gütegemeinschaften)
- Verwaltungsebene (Landkreisämter, Ministerien)
- Häufig fehlt ganz einfach das gegenseitige Vertrauen, ohne das keine (Geschäfts-)beziehung funktionieren kann.
Die hier aufgezeigten Problemstellungen führen direkt zu den Zielen des NÖK:
- Vermittlung aktueller Informationen (Wissenstransfer)
- Unterstützung von Kommunikation und Vernetzung auf allen Ebenen
- Unterstützung des Verttrauensaufbaus