Landesweite Fachveranstaltung des Netzwerks Ökolandbau und Kompost Baden-Württemberg

Ganz im Sinne der intensiven Wissenstransfer- und Vernetzungsaktivitäten des NÖK-BW werden bis Ende des Jahres 2026 über ein Dutzend „Regionale Fachinfoveranstaltungen“ und Vorträge zum NÖK BW durchgeführt. Im Rahmen der fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem LTZ und eingebettet in die Vorstellung der Sortenversuche für den Ökolandbau in Baden-Württemberg ermöglichen es die letztgenannten Vorträge, das NÖK-BW den Ökolandwirten und Ökolandwirtinnen landesweit vorzustellen.

Die regionalen, über das gesamte Bundesland verteilten „Fachinfoveranstaltungen“ sind hingegen eigenständige Veranstaltungen des NÖK-BW in Zusammenarbeit mit den Ökolandbauverbänden und der Gütegemeinschaft Kompost Region Südwest (GKRS). Sie sprechen neben dem Ökolandbau insbesondere die Praxis der Kompost- und Vergärungsanlagen an.

Diese regionalen Formate ergänzte im September eine zentrale, hochrangige „Landesweite Fachveranstaltung“ in Stuttgart, deren Zielgruppen in erster Linie die Fachbehörden, die Beratung und die Wissenschaft umfasste.


Im Hinblick auf die Bedeutung der Fachtagung wurde diese seitens Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW, eröffnet. Er schlug in seiner Einführung den Bogen von den „Bioabfällen“, die heute nicht mehr als Abfälle sondern als Sekundärrohstoffe gesehen werden, zur ökologisch und ökonomisch sinnvollen Verwertung der daraus hergestellten Komposte im Pflanzenbau und speziell im Ökolandbau.

„Mit dem Einsatz von Komposten im Ökolandbau werden Kreisläufe regional geschlossen, dem Boden wichtige Nährstoffe zugeführt und, ein heutzutage herausragender Faktor: Die Wasserspeicherfähigkeit der Böden wird deutlich verbessert“, führte er auch in seinem LinkedIn-Beitrag im Nachgang zur Tagung aus.

Verteilt über drei Vortragsblöcke setzte sich die Fachtagung nach dieser Einführung schwerpunktmäßig mit folgenden Themen auseinander:

  • Qualität und Eignung der gütegesicherten Komposte für den Ökolandbau,
  • Nutzen der Kompostanwendung und
  • praktische Umsetzung des Komposteinsatzes im Rahmen des NÖK BW.

Block 1: Qualität und Eignung der gütegesicherten Komposte für den Ökolandbau

Grundlage des ersten Blocks, der von Prof. (em.) Dr. Martin Kranert moderiert wurde, waren die Ausführungen von Dr. Andreas Butz, Abteilungsleiter Pflanzenbau und Referatsleiter Ökolandbau des LTZ, der die Bedeutung und Entwicklung des Ökolandbaus in Baden-Württemberg beschrieb. Er betonte, dass es nicht „ein zentrales“ Werkzeug allein zur Unterstützung des weiteren Wachstums des Ökolandbaus gäbe, sondern vielmehr ein Strauß verschiedenster Maßnahmen hierfür notwendig sei. Im Komposteinsatz sah er eines der wichtigen Werkzeuge für Düngung und Nährstoffkreisläufe sowie die Förderung der Bodenfruchtbarkeit.

Frau Prof. Dr. Carla Cimatoribus, Hochschule Esslingen, Obfrau des Bundesgüteausschusses der Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V. (BGK), erläuterte im Anschluss das RAL-Gütesicherungssystem der BGK für Bioabfall- und Grüngutkomposte sowie die speziellen Gütesicherungsteile für den Ökolandbau.

Letztere waren in den Jahren 2013/14 von den Ökolandbauverbänden Bioland und Naturland in Zusammenarbeit mit der BGK entwickelt worden. Sie stellen heute die bundesweit fachlich anerkannte Grundlage für die Gütesicherung von „Ökokomposten“ dar und gehen von den Anforderungen her weit über die gesetzlichen Vorgaben aus Bioabfallverordnung und EU-Ökoverordnung hinaus. Damit kann „die RAL-Gütesicherung Kompost den Ökolandbau maßgeblich unterstützen, da sie sicherstellt, dass der Kreislauf der Organik durch den Einsatz von hochwertigem Kompost geschlossen wird“, so Frau Prof. Cimatoribus.

Ralf Gottschall, Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Sekundärrohstoffe ISA und – wie Prof. Kranert zu Beginn des Vortrags ausführte – der „Vater der NÖK-Projekte“, die mittlerweile in sechs Bundesländern existieren, oblag es dann, die Qualität und Eignung der Komposte für den Ökolandbau darzustellen. Dabei berichtete er nicht alleine zu den Ergebnissen der erstmal ab 2018 in Hessen durchgeführten NÖK-Projekte. Vielmehr bezog auch weitere F- u E-Projekte mit ein, insbesondere das umfassende, aus dem Bundesprogramm ökologischer Landbau über fünf Jahre geförderte und seitens der TU München koordinierte Projekt „ProBio“ zu Kompostproduktion für und Komposteinsatz im Ökolandbau.

Gerade letztgenanntes Projekt zeigte die starken Fortschritte bezüglich der Qualitätsoptimierung bei Bioabfallkomposten, v. a. in den letzten 10 Jahren. In diesem Zeitraum konnten z. B. die Anteile an Leichtkunststoffen und leichten Verbundstoffen in den Bioabfallkomposten bundesweit um 68 % reduziert werden.

Nicht zuletzt diese positive Entwicklung führt mittlerweile dazu, dass nach den o. g. strengen Richtlinien rund 70 % der Bioabfall- und Grüngutkomposte bundesweit für den Ökolandbau geeignet sind. Und Baden-Württemberg toppt diesen Wert noch: Hier waren 2025 rund 84 % der Komposte tauglich für den Ökolandbau.

Besonders wichtig war Gottschall, dass „der Ökolandbau für die Schließung seiner Nährstoffkreisläufe nicht nur den Blick auf die Betriebseben legt. Vielmehr sind auch die Möglichkeiten zentral, aus betriebsexternen, möglichst regionalen Quellen Nährstoffe in den Betrieb zurückzuführen, die zuvor mit den Lebensmitteln exportiert wurden. Dafür bieten sich gütegesicherte Bioabfall- und Grüngutkomposte an, sofern sie die Anforderungen der Ökolandbauverbände erfüllen“.

Nach einer lebhaften Diskussion zu den Vorträgen, die verständlicherweise vom Thema „Qualität ist das A & O“ geprägt wurde und hier insbesondere wieder die PFAS-Situation einer näheren Betrachtung unterzog, ging es in die Kaffeepause.

Hier die Vorträge des 1. Blocks zum Herunterladen:

Dr. A. Butz, Landwirtschaftliches TechnologiezentrumStand und Entwicklung des Ökolandbaus in BadenWürttemberg (Vortrag wird in Kürze eingestellt)
Prof. Dr. Carla Cimatoribus, Hochschule EsslingenDie Gütesicherungen der Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V. (BGK) und deren Bedeutung für den Einsatz von Komposten, Gärprodukten und Holzaschen im Ökolandbau
Ralf Gottschall, ISA – Ingenieurbüro für Sekundärrohstoffe Eignung und Mengenpotentiale von Sekundärrohstoffdüngern für den Ökolandbau in Baden-Württemberg und bundesweit

Block 2: Nutzen der Kompostanwendung

Den anschließenden zweiten Vortagsblock, moderierte der Referatsleiter Ökolandbau im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Martin Ries.

Eröffnet wurde diese Session zum Nutzen des Komposteinsatzes seitens Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen, der den Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme der TU München innehat sowie unter anderem Koordinator des o g. BÖL-Projektes „ProBio“ war. Er erläuterte zunächst das komplexe System von Humusreproduktion und Humusaufbau, um anschließend die positiven Auswirkungen des Komposteinsatzes zu beschreiben. Hierbei stellte er die Ergebnisse mehrerer z. T. langlaufender Feldversuche vor, die die hohen Humussalden durch den Komposteinsatz und die Möglichkeiten der C-Sequestrierung durch die Komposte nachwiesen.

Nach 14 Jahren in einem der vorgestellten Feldversuche waren noch 45 % des organischen Kohlenstoffs aus der Kompostdüngung im Boden wiedergefunden worden. Solche Ergebnisse beeinflussen selbstverständlich auch die THG-Bilanz eines Ackerbausystems positiv, wie Prof. Hülsbergen betonte. Durch den Komposteinsatz werden daher die THG-Salden üblicher Ackerbausysteme reduziert. Im besten Fall kann dies sogar dazu führen, dass in Summe eine negative THG-Bilanz auftritt. D. h. konkret, es werden mehr CO2-Äquivalente in solchen Ackerbausystemen mit Komposteinsatz gebunden als durch die diversen Bewirtschaftungsmaßnahmen freigesetzt werden.

Mit einem profunden Vortrag zum Thema Bodenfruchtbarkeit und Einfluss der Komposte darauf schloss Prof. Dr. Torsten Müller, Fachgebiet Düngung und Bodenstoffhaushalt der Univ. Hohenheim, diese Session ab. Er zeigte den positiven „Sondereffekt der organischen Düngung“ auf die Ertragsbildung anhand wissenschaftlicher Untersuchungen und ging darüber hinaus auch auf die Vor- und Nachteile der Kompostierung als Verwertungsverfahren für organische Reststoffe ein.

Dieses für die innerbetriebliche Kompostierung im Ökolandbau sehr wichtige und bislang immer noch nicht ausreichend bearbeitete Thema spielt zwar naturgemäß für Bioabfälle und Grüngut keine wesentliche Rolle. Denn die Vergärung und Kompostierung als Behandlungsverfahren für organische Abfälle sind abfallrechtlich fix. Allerdings – und darauf wurde in der Diskussion auch von Dr. Möller (LTZ) hingewiesen – werden dabei die für die Landwirtshaft relevanten gasförmigen N-Verluste immer noch nicht ausreichend berücksichtigt.

Was die Kompostverwendung selbst anbelangt, fasste Prof. Müller abschließend wie folgt zusammen: „Kompost trägt zu ausgeglichenen oder positiven Humusbilanzen bei (Tab. 1). Vorteile gegenüber der Anwendung nicht-kompostierter organischer Düngemittel liegen vor allem in der hygienisierenden Wirkung der Kompostierung, der Volumenverminderung und der Geruchsminderung bei der Ausbringung“.

Hier die Vorträge des 2. Blocks zum Herunterladen:

Prof. Dr. H.-J. Hülsbergen, TU MünchenBedeutung von Biogut- und Grüngutkomposten für Nährstoffkreisläufe, Klimaresilienz und Klimaschutz im Ökolandbau
Prof. Dr. Torsten Müller,
Universität Hohenheim
Unterstützung der Bodenfruchtbarkeit durch Komposte?

Block 3: Praktische Umsetzung des Komposteinsatzes im Rahmen des NÖK BW

Interessant zu sehen war, wie in der anschließenden Mittagspause der lebhafte Austausch zu den verschiedenen Fachthemen durch das Auditorium fortgesetzt wurde. Damit ging es sozusagen nahtlos in den dritten Vortragsblock, der von Simon Rinnus, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, moderiert wurde.

Hier stellte zunächst Dr. Felix Richter, geschäftsführender Gesellschafter der Witzenhausen Institut GmbH, die Entwicklung des NÖK-BW vor, an dem er von Beginn an leitend beteiligt war. Er erläuterte eingangs, warum Ökolandbau und Kreislaufwirtschaft so gut zusammen passen und stellte die Strategie der Vernetzung von Ökolandbau und Kompostwirtschaft dar. Darauf aufbauend beschrieb er das Gesamtprogramm des NÖK BW mit seinen fünf Handlungsfeldern.

Weiterhin erläuterte er die Struktur der federführenden „Koordinierungsstelle“ im NÖK-BW mit den drei Partnern Witzenhausen Institut GmbH, Ingenieurbüro ISA und der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau Baden-Württemberg (AÖL) sowie deren Zusammenarbeit in der „Akteursgruppe“ mit LUBW, LTZ und der Gütegemeinschaft Kompost Region Süd (GKRS).

Die bisherigen positiven Ergebnisse des NÖK BW wurden seinerseits auch im Kontext mit den Entwicklungen in den NÖKs anderer Bundesländer dargestellt und ein Ausblick auf die noch folgenden NÖK-Jahre in Baden-Württemberg gegeben.

Dieser Tagungsteil zur Umsetzung des Komposteinsatzes im Ökolandbau von Baden-Württemberg wurde dann durch zwei Statements der beiden unmittelbar betroffenen Wirtschaftsbereiche Ökolandbau und Kreislaufwirtschaft weiter ausgeführt.  Zunächst stellte Christoph Zimmer als Geschäftsführer der AÖL die Bedeutung des Projektes für den Ökolandbau in Baden-Württemberg dar und beschrieb die Rolle der AÖL in der Koordinierungsstelle.

Als praktizierender Landwirt und Kompostanlagenbetreiber war Günther Frank, 2. Vorsitzender der GKRS, natürlich prädestiniert, die Unterstützung des NÖK-BW durch die GKRS in der Akteursgruppe zu erläutern. Dabei berichtete er, dass die Bedeutung dieses Projekts in seinen allerersten Anfängen ab 2019 seitens der GKRS möglicherweise unterschätzt worden sei.

Günther Frank bei der Vorstellung seiner Grüngutkompostierungsanlage
(Foto Fa. Frank)

Seit einigen Jahren wären die Vergärungs- und Kompostierungsanlagen jedoch vom NÖK-BW überzeugt. Und die GKRS würde das Projekt in der Akteursgruppe vollumfänglich unterstützen, was in der anschließenden Diskussion seitens Ralf Gottschall als Teil der Koordinierungsgruppe bestätigt wurde. Wesentlich war Herrn Frank außerdem zu betonen, dass die Komposte für den Ökolandbau natürlich einen besonderen Nutzen im Hinblick auf die Nährstoffkreisläufe hätten. Für die Bodenfruchtbarkeit würde dies aber generell für jeden Landwirtschaftsbetrieb gelten, wie er aus eigener Erfahrung berichten konnte.


Simon Rinnus fasste abschließend die Ergebnisse der Tagung kurz zusammen und gab einen Ausblick, zum NÖK BW bevor es zu den nachmittäglichen Exkursionen in die Kreislaufwirtschaft und den Ökolandbau ging. Den zentralen Zusammenhang hatte Christoph Zimmer direkt davor schon eindrücklich beschrieben: „Auch das Bodenleben braucht Futter – mit hochwertigen Komposten können wir Nährstoffkreisläufe schließen und die Bodenfruchtbarkeit erhalten. Dazu braucht es Komposte von bester Qualität – ich freue mich sehr, dass diese jetzt in immer größerem Umfang zur Verfügung stehen“.  

Am späteren Nachmittag wurde dieser wichtige Praxisteil der Fachveranstaltung durch die Führungen auf der Bioabfallvergärungsanlage Leonberg, der Grüngutkompostierung Wendlingen des Landkreises Esslingen und dem Bioland-Gemüsehof Hörz abgerundet (s. u.).

Dr. F. Richter, Witzenhausen Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbHDas Netzwerk Ökolandbau und Kompost BadenWürttemberg (NÖK BW): Leuchtturmprojekt zur Vernetzung von Ökolandbau und Kreislaufwirtschaft
Ch. Zimmer, Arbeitsgemeinschaft  Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.Die Bedeutung von Komposten und flüssigen Gärprodukten für die Ökolandbau-Praxis

Impressionen zu den Exkursionen im Rahmen der Landesweiten Fachveranstaltung “Biogut- und Grüngutkomposte im Ökolandbau Baden-Württembergs“

Bioabfall-Vergärungsanlage Leonberg

Besichtigung Bioabfall-Vergärungsanlage Leonberg, Fotos: Felix Richter


Rund 15 Teilnehmende der Fachveranstaltung, darunter je ein Berater der Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter, fanden sich am Nachmittag auf der neu errichteten Vergärungsanlage der Bioabfallverwertung GmbH Leonberg (BVL) ein. Die Anlage, die in einer Kooperation der Landkreise Böblingen und Esslingen betrieben wird, war erst im Februar 2026 offiziell eingeweiht worden. Insgesamt können dort jährlich 60.000 Biogut der beiden Landkreise und nochmal 12.000 Grüngut verwertet werden.

Nach einer kurzen theoretischen Vorstellung der Anlage durch Wiebke Höfer, Geschäftsführerin der BVL, führte der Anlagenleiter Uwe Beckstein die interessierten Besucherinnen und Besucher auf dem Weg des Bioguts über das Gelände. Beginnend mit der Annahmehalle und der Aufbereitungsstrecke, wo das Material zerkleinert und von Fremdstoffen befreit wird, führte der Weg zu den beiden Pfropfenstromfermentern, dem Herzstück der Anlage. Nach dem Durchlaufen des Fermentationsprozesses wird das Gärprodukt mechanisch entwässert. Der feste Teil wird nach einer kurzen Aerobisierung in geschlossenen Tunneln zur anschließenden Kompostierung in das Kompostwerk Kirchheim u.T. transportiert, das ebenfalls in einer Kooperation der Landkreise Böblingen und Esslingen betrieben wird. Der flüssige Teil ist als Gärprodukt flüssig durch die Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) gütegesichert und wird in die Landwirtschaft vermarktet. Das in den Fermentern erzeugte Biogas wird zu einem kleinen Teil in einem eigenen BHKW zu Strom und Wärme für den Anlagenbetrieb umgewandelt, zu einem Großteil aber zu Biomethan für die Einspeisung ins Gasnetz aufbereitet.

Während der Führung tauchten viele Fragen auf, die von Frau Höfer und Herrn Beckstein gut beantwortet werden konnten. Beide betonten aber auch, dass man erst ganz am Anfang des Betriebs stehe und daher noch vieles „im Fluss sei“. So würde beispielsweise bislang kein Gärprodukt flüssig in den Ökolandbau vermarktet. Im Laufe des Rundgangs wurden viele Themen auch des Vormittags nochmals diskutiert und es entstanden – ganz im Sinne des NÖK – neue Vernetzungen. Am Ende dankten alle Beteiligten für den spannenden Rundgang und konnten voll mit neuem Wissen den Heimweg antreten.

Grüngutkompostierung Wendlingen

Als zweites Exkursionsziel im Praxisteil der „Landesweiten Fachveranstaltung“ des NÖK Baden-Württemberg (NÖK-BW) am 29.09. 2026 wurde ergänzend zur Vergärungsanlage Leonberg und dem Biolandbetrieb Hörz die Grüngutkompostierungsanlage Wendlingen des awb-es (Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen) angesteuert.

Der Landkreis Esslingen hat mit über vierzig Annahmestellen bereits seit längerem ein dichtes Netz an Sammelstellen für Grüngut eingerichtet. Dabei können alle Annahmestellen eher holziges/gemischtes Grüngut annehmen, jedoch nur spezielle Annahmestellen Rasenschnitt und Grüngut mit hohen Grasanteilen. Neun der Anlagen im Landkreis sind – wie Wendlingen – größer und auch für die Kompostierung des Grünguts genehmigt. Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigt sich insgesamt in der hohen Menge an Grüngut von rund 30.000 Mg (Tonnen), die jährlich im Landkreis erfasst werden.

Die kleine aber sehr diskussionsfreudige Exkursionsgruppe wurde sehr kompetent durch den Sachgebietsleiter Herrn Thomas Linsmeier und den Geschäftsführer des awb-es, Herrn Michael Potthast, über die Anlage geführt.

Intensive Diskussion auf der Grüngutkompostierungsanlage Wendlingen, Foto Susanne Weber

Aus den dabei erläuterten einzelnen Prozessschritten ergaben sich auch bereits die ersten Diskussionsfelder, z. B. zur notwendigen Absiebung des fertigen Grüngutkompostes. Dabei wurde festgestellt, dass im Gegensatz zu einer Feinsiebung des Kompostes für Hobbygärtner im Bereich 10/12/15 mm, wie sie auch seitens des awb-es durchgeführt wird, eine gröbere Absiebung für den Ökolandbau nicht nur ausreichend ist, sondern wegen des höheren Strukturanteils sogar vielfach erwünscht (z. B. 25/30 mm). Da das gesammelte Grüngut im Landkreis sehr sauber ist und kaum Fremdstoffe enthält, wäre dieser gröbere Siebschnitt auch unproblematisch. Dadurch würde für die Anlage in Wendlingen der letzte Behandlungsschritt der Feinsiebung entfallen, was einen kostengünstigeren Verkauf des Kompostes an Ökolandwirte ermöglichen würde.

Seitens der Anlage in Wendlingen wird bereits Grüngutkompost in den Ökolandbau vermarktet. Ein bei der Führung beteiligter Ökolandwirt machte diesbezüglich auch sein Interesse an dem guten Material deutlich, obwohl er bei rund 60 Km Entfernung doch zusätzlich zum Verkaufspreis noch erhebliche Transportkosten zu tragen hätte. Seitens der Vertreter des awb-es wurde bestätigt, dass man gerne noch stärker in den Ökolandbau vermarkten würde, die Kompostmengen dazu aber auch begrenzt seien.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass ein sehr hoher Anteil des holzigen Grünguts und der holzigen Überläufe der einzelnen Siebschnitte in der Biomasseverbrennung energetisch verwertet wird. Auch dies führte natürlich zu einer intensiven Diskussion, da die meisten Exkursionsteilnehmer das starke Interesse an einer stofflichen Verwertung des Grünguts betonten, insbesondere im Hinblick auf eine Vermarktung in die hochwertigen Bereiche des Ökolandbaus und der Erdenwirtschaft. Seitens des awb-es wurde demgegenüber verdeutlicht, dass eine Kompostierung gerade der holzigen Siebüberläufe sehr aufwendig sei, der Platz hierfür vielfach nicht vorhanden wäre und sich auch insgesamt die Frage stellen würde, wer bereit sei, diesen höheren Aufwand zu bezahlen.

Einig war man sich darin, weiter in engem Kontakt bleiben zu wollen. Seitens des NÖK-BW bedankte sich Ralf Gottschall für die Führung und den bisherigen konstruktiven Austausch, den man sehr gerne fortsetzen würde. Eine entsprechende Unterstützung von Aktivitäten zur Kompostvermarktung in den Ökolandbau wurde seitens des NÖK-BW zugesagt. Dies betrifft nicht nur die Grüngutkomposte, sondern soll auch die Biogutkomposte der Anlage in Kirchheim unter Teck einbeziehen, sobald die neue Anlage eingefahren ist und gute Qualitäten liefert.    

Ökoanbaubetrieb „Bioland-Gemüsehof Hörz“

Vorstellung des Bioland-Gemüsehof Hörz durch Geschäftsführer F. Saria und Gärtnerin G. Boll, Fotos Cornelia Wiethaler und Christoph Zimmer

Ein rundum gelungener Fachaustausch beim NÖK-BW: Rund 20 hochinteressierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer durften vor Ort erleben, wie zukunftsfähiger und ganzheitlicher Gemüsebau auf dem Biogemüsehof Hörz in der Praxis funktioniert.

Geschäftsführer Frederic Saria und Gärtnerin Greta Boll führten die motivierte Gruppe durch die zentralen Betriebszweige des seit 1995 zertifizierten Bioland-Hofes – den Freilandanbau, die Gewächshaustunnel sowie die erfolgreiche Ökokistenvermarktung. Dabei wurde schnell deutlich, dass elementares, ganzheitliches Denken und eine gelebte Kreislaufwirtschaft das Herzstück der hiesigen Arbeit bilden.

Fachlich besonders spannend war der Austausch über das optimale Zusammenwirken von Kompost als organischem Dünger in den vielfältigen Gemüsefruchtfolgen. Da der Betrieb komplett viehlos wirtschaftet, ist der gezielte Einsatz von eigenen sowie zugekauften Komposten hier von immenser Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit und gezogenen Pflanzen.

Den perfekten Abschluss dieser inspirierenden Führung bildete ein leckeres Vesper mit hofeigenen Erzeugnissen in gemütlicher Runde. Deren herausragende Qualität begeisterte alle Anwesenden und machte diese Veranstaltung zu einem wunderbar motivierenden Best-Practice-Beispiel für die ökologische Landwirtschaft in Baden-Württemberg!

Das NÖK Baden-Württemberg bedankt sich bei allen Teilnehmenden, Referent*innen, Moderatoren und beim Organisationsteam sowie bei den Projektträgern LUBW bzw. UM Baden-Württemberg und dem Kulinarium an der Glems recht herzlich für die gelungene Veranstaltung!


Fotos: F. Richter, H. Keber, Ch. Zimmer, C. Wiethaler, S. Weber

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