NÖK Fachinfoveranstaltung und Feldtag auf dem Georgshof

Nachlese zur Fachinfoveranstaltung „Biogut- und Grüngutkomposte im Ökolandbau“ am 04.08.2026 auf dem Georgshof in Hilzingen

Wie können Biogut- und Grüngutkomposte im Ökolandbau dazu beitragen, Nährstoffkreisläufe zu schließen, Humus aufzubauen und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden zu stärken?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich unsere Fachinformationsveranstaltung mit Feldtag am 4. August 2026 auf dem Georgshof in Hilzingen.

Einer der ältesten Bioland-Höfe im Hegau, der Georgshof, öffnete seine Tore für diese Veranstaltung und das Interesse an dem Thema war groß – rund 50 Teilnehmende fanden sich an diesem heißen Sommertag ein. Was für viele Menschen mit dem Gang zur Biotonne endet, beginnt für Landwirtschaft und Umwelt erst richtig: Aus Grüngut und Biogut entsteht hochwertiger Kompost, der Böden fruchtbarer macht, Wasser speichert und Nährstoffe in den natürlichen Kreislauf zurückführt.

Der Georgshof wird seit 1974, jetzt in dritter Generation, ökologisch bewirtschaftet. Seit 2017 setzte Gerhard Riesterer externen Kompost ein. Die Tochter, Ursel Riesterer, hat in diesem Jahr die Betriebsleitung übernommen. Sie gab zu Beginn Einblicke in den Betrieb und ihre langjährigen Erfahrungen mit ökozertifiziertem Grüngutkompost, der auf dem Betrieb insbesondere im Körnermais eingesetzt wird. So zeigte sie eindrucksvoll, welchen Beitrag Kompost für die ökologische Landwirtschaft leisten kann. Ihr Körnermais der Populationssorte Evolino vom Bio-Züchter Sativa in der Schweiz stand – trotz anhaltender Trockenheit – recht gut da.

Komposte sind ideale Bodenverbesserer und können gerade für viehlose Ökobetriebe einen wichtigen Beitrag leisten, um Nährstoffexporte auszugleichen, insbesondere bei Phosphor und Kalium.

„Zentral ist ein Gütesicherungskatalog für die Komposte, der aus einer professionellen Basisgütesicherung nach RAL-Gütezeichen 251 der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) oder gleichwertig besteht“, erklärt Dr. Nikolas Zöller vom Ingenieurbüro ISA. Auf diesen Standard werden zusätzlich die Anforderungen nach Bioland-/Naturlandrichtlinien und Demeter aufgesetzt.“

Auf der Fachinfoveranstaltung und dem Feldtag des NÖK Baden-Württemberg spricht Dr. Nikolas Zöller über die wichtigsten Grundlagen zum Thema Kompost.

Diese Anforderungen der Öko-Anbauverbände erläuterte Jonathan Kern von der Bioland-Beratung. Er ist überzeugt: „Wir müssen regionale Nährstoff-Kreisläufe sinnvoll nutzen“. Am Feldrand präsentierte Pirmin Eibofner vom Kompostwerk Singen der RETERRA Hegau-Bodensee GmbH, drei verschiedene wohlriechende Kompostarten mit Prüfzertifikaten.

Jonathan Kern von Bioland referiert über den Einsatz von Komposten im Ökolandbau

Tommy Schirmer, Agraringenieur am Witzenhausen-Institut zeigte anhand aktueller Boden-Untersuchungen: Die Böden in diesem Maisfeld sind gut mit Nährstoffen versorgt. Mit der Spatenprobe holte er Erde ans Tageslicht und lobte die lockere Krümelstruktur des Bodens und das lebendige Wurzelwerk. Beim Krümeltest blieben sieben von neun Bodenkrümeln stabil, was auf eine gute biologische Aktivität und ein stabiles Bodengefüge hinweist.  

Auf der Fachinfoveranstaltung und dem Feldtag des NÖK Baden-Württemberg zeigt Tommy Schirmer vom Witzenhausen-Insitut mittels Spatenprobe die gute Bodenqualität durch den Einsatz von Kompost auch nach langer Sommerhitze

In der Simulation eines Starkregenereignisses nahm der Boden eine 10-cm hohe Wassersäule in weniger als einer Minute auf. „Kompost ist weit mehr als ein Nährstofflieferant,“ ist Schirmer überzeugt. „Er ist ein Baustein für ein langfristiges Bodenfruchtbarkeitssystem, das Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Bodenleben und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden fördert.“

Eva Regel, Projektkoordinatorin vom ÖkoNetzBW hob hervor, dass die Förderung des Komposteinsatzes die Abhängigkeit von energieintensiven Düngemitteln der konventionellen Betriebe reduziert. Bei den aktuellen Düngepreisen können sich konventionelle Betriebe bei den ökologischen Kollegen etwas abschauen. Der Georgshof ist einer der 32 Partnerbetriebe des ÖkoNetz BW, ein Netzwerk für den Wissenstransfer von ökologischen Methoden für die gesamte Landwirtschaft. Es unterstützt Betriebe bei der Umstellung auf ökologischen Landbau.

Cornelia Wiethaler von der AÖL führte durch den Tag. Sie lud alle ein, im Netzwerk Ökolandbau und Kompost mitzumachen. Zuhause bei der sauberen Trennung von Bioabfall oder als Landwirt mit dem Einsatz von Komposten. Mit dieser regionalen grünen Kreislaufwirtschaft können Lebensgrundlagen geschützt werden.

Im Anschluss an den Feldtag nutzten einige Teilnehmende die Gelegenheit für einen Besuch beim Kompostwerk der Reterra Hegau-Bodensee GmbH in Singen. Christian Goldschmidt sprach anschaulich über die Prozesse von Kompostierung und Vergärung. Die Vergärung von Biogutkomposten habe zudem ein riesiges Energie-Potenzial. Schon jetzt werde ein Drittel der Stromversorgung der Haushalte in Singen mit Strom aus der Reterra-Anlage versorgt. Die Kapazitäten sollen ausgebaut werden.